Motorinstandsetzung - Wissenswertes zum Thema

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2005-12-09 18:45
FZR 1000 / YZF 1000 Instandsetzungsliste

(inkl. einer "Kurzgeschichte" von Klaus
...man kann den Text auch ausdrucken

Hallo FZR und YZF Freunde!

Eine kleine Story über Feuer vorab. Jedem ist bekannt, daß ein Feuer langsam aber sicher den Brennstoff von dem es zehrt verbraucht. In diesem Falle will ich aber nicht auf den Benzinverbraucht der Motoren hinaus, sondern einfach nur darauf, daß Feuer seine Resourcen verbraucht, je größer es ist, desto schneller geht es von statten.

Nehmen wir mal den 1000er FZR / YZF Motor, er hat reichlich davon, auch wenn man dem natürlich auch noch ein wenig nachhelfen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Es gibt andere Triebwerke die weniger "Feuer" entwickeln und folglich dessen die Ressourcen nicht so schnell aufbrauchen. Wenn sich bemerkbar macht das das "Feuer" nachläßt, muß man wieder für Ressourcen sorgen. Bei den einen früher, bei den anderen später, je nach dem wieviel Feuer man dem Triebwerk abverlangt. Nehmen wir also unseren 1000er Motor und stellen fest, das sich dieser Verbrauch glücklicherweise nicht in Motorschäden niederschlägt, sondern in Ölverbrauch. Ärgerlich, aber nicht kritisch. Dann müssen wir entweder für mehr Öl sorgen, was auf Dauer aber auch nicht so dolle ist, wenn man an der Tankstelle den Ölstand auffüllt und Benzin nachschaut :-)

Oder wir gehen her und beseitigen die Ursache. Diese hat meist mehrere Gründe, die immer auf den gleichen Punkt hinauslaufen und zwar auf den Verschleiß. Dieser kommt zustande, indem sich die Kolben an den Zylinderwänden "abschleifen", oder die Kolbenböden einfallen und der Kolben im oberen Bereich schrumpft. Dadurch erhöht sich das Laufspiel und die Zylinderlaufbahnen werden oval durch das Kippen der Kolben. Wie erwähnt, es führt fast nie zu Motorschäden, aber die Kolbenringe können irgendwann nicht mehr die Aufgabe des Abdichtens übernehmen und lassen Öl durch, was sich erstens durch den Verbrauch und zweitens durch blauen Rauch aus dem Auspuff bemerkbar macht. Wollen wir dem entgegenwirken und es beseitigen, sind zumindest neue Kolbenringe fällig, aber diese beheben nicht den Verschleiß der anderen Teile. Die neuen Ringe bringen einen höheren Anpreßdruck als die alten und dichten folglich dessen besser ab. Aber wie gesagt, die Ursache ist nicht beseitigt. Zu empfehlen sind auf jeden Fall Kolben mit dem 1. Übermaß und folglich dessen Ausschleifen auf das ensprechende Maß. Wichtig hierbei ist, daß jeder einzelne Kolben vermessen wird und jede einzelne Laufbüchse auf das Maß des Kolbens geschliffen wird. Unterschiede der Kolbenmaße sind selten aber nicht auszuschließen. Bei der Wahl der Kolben empfehle ich immer, auf die Thunderace Kolben zurückzugreifen. Dies sind Schmiedekolben die nicht einfallen und sind noch dazu zwei Zehntel Millimeter höher was noch eine gering höhere Verdichtung mit sich bringt, die eine Drehmomentsteigerung und somit besseren Durchzug bewirken.

Wem das noch nicht genug ist, der kann auch auf hochverdichtende Tuningkolben, oder auf Big-Bore Kolben zurückgreifen, die jedoch bei 1070cm³ andere Laufbüchsen erfordern. Wenn Ihr nun die Zylinderbank schleifen laßt, dann achtet darauf, wo Ihr sie schleifen laßt! Nicht jede Schleiferei ist gleich gut. Leider mußte ich diese Erfahrung auch schon machen. Eine namhafte Zylinderschleiferei hat eine Zylinderbank ausgeschliffen und der Motor hat nach der Einfahrzeit immernoch 1,5l Öl auf 1000km gebraucht! Nach Vermessen aller Zylinder und aller Kolben ließ sich kein abweichendes Maß feststellen, daraufhin habe ich die Bank bei einer anderen Firma nachhonen lassen und siehe da: der Ölverbrauch war komplett weg! [Kommentar vom Wäbdesigner: Der flunkert doch!] Die Ursache waren zu grob geschliffene Laufbahnen. Eine weitere Ursache für Ölverbrauch sind die Ventilschaftdichtungen, die jedoch beim Ölverbrauch eine geringere Rolle spielen. Wenn der Motor schon mal auf ist, sollte man diese auch gleich mit tauschen! Ein weiterer Punkt der unbedingt bei einer Motorrevision überprüft werden sollte sind die Einlaßventile. Leider hat Yamaha dort auch zum Teil (!) sehr schlechte verbaut. Dies trifft auf FZR 600 89-93, FZR 1000 89-93, und TRX 850 zu. Die Ventile sind zu weich und schlagen in die Ventilsitze ein. Dabei werden die Ventile zerstört die zum Teil auch die Ventilsitze in Mitleidenschaft ziehen. Dies trifft jedoch nur auf die Einlaßventile zu! Die Außlaßventile halten normalerweise ewig. Der Verschleiß ist zum Teil auf das fehlende Blei im Benzin zurückzuführen das den Aufschlag der Ventile auf den Sitz dämpft. Verwendet man Bleiersatz halten die Ventile auch nahezu ewig. Also von vorneherein, vergeßt die 42000 km Ventilspielintervalle die Yamaha angibt, dies ist ein Wunschtraum der nur bei 5% der Motoren zutrifft. Die Ventile sind einfach zu überprüfen. Wenn sie ausgebaut sind kann man sehen das sie an den Dicht- flächen eingeschlagen sind. Theoretisch können die Ventile nachgeschliffen werden, aber da die gehärtete Oberfläche bereits verschlissen ist, halten die Ventile nicht mehr lange, es sein denn es wird Bleiersatz verwendet, dies läßt die Lebenserwartung ansteigen. Die beste Lösung sind im Fall von eingeschlagenen Ventilen der Ersatz durch neue Ventile, die inzwischen auch die entsprechende Härte aufweisen. Dann muß in jeden Fall der Ventilsitz wieder auf die neuen Ventile eingeschliffen werden. Meist reicht einfaches Einschleifen nicht mehr aus, da die drei Fächen nicht mehr korrekt sind. Die Ventilsitze "wandern" auch nach innen Richtung Zündkerze, wobei ich dieses Phänomen nicht erklärten kann. Sollte also die Überarbeitung des Zylinderkopfes fällig werden empfiehlt es sich die Sitze maschinell neu zu fräsen, da die Maschine die Sitze auch wieder korrekt mittig fräst.

Ein Tip noch, bei Laufleistungen um die 50.000km oder mehr sollten auch die Kurbelwellenlager und Pleuellager überprüft werden, die Mehrarbeit hält sich in Grenzen und der Aufwand kann sich später auszahlen. Das fressen der oberen Pleuelaugen am Kolbenbolzen ist zwar nicht schön, aber auch nicht all zu kritisch. Dieses Fressen tritt eigentlich bei allen FZR Motoren auf. Wenn die Freßspuren schon tiefer sind und schon leichtes Spiel festzustellen ist, können die Augen auch mit Bronzebüchsen versehen werden. Es müssen nicht gleich neue montiert werden, die horende Summen verschlingen.
Sind diese Arbeiten erfolgt, kann der Motor wieder zusammengebaut werden und das "alte Feuer" brennt wieder lichterloh. Dies ist oft mehr zu empfehlen als ein Austauschmotor, denn wer weiß, in welchem Verschleißstadium er sich befindet und wer weiß, wie er gefahren wurde. Bei einer Motorrevision weiß man, wo man dran ist und bekommt auch Garantie auf die Arbeiten. Dies alles ist eine Erläuterung des FZR Motorverschleißes, das sich vielleicht nicht sonderlich gut anhört, aber Freunde, laßt Euch nicht erschrecken, FZR Motoren mit 100.000km sind auch keine Seltenheit. Sie wurden nicht immer geschont, aber gut gepflegt. Das heißt auch in erster Linie IMMER warmgefahren, denn das ist der größte Feind des Motors [Kommentar von Wäbdesigner: hä???].
Erlaubt mir auch einen kleinen Seitenhieb Richtung Honda, immer heißt es, diese Motoren halten ewig. Dazu kann ich nur sagen wenn sie die gleiche Leistung aufbringen würden, läge der Verschleiß auch wesentlich höher! Denn die Erfahrung hat gezeigt, daß diese getunten Motoren auch anfällig werden. Deshalb, haltet das Feuer am Brennen und freut Euch drüber!

Selbstverständlich übernehmen wir auch Eure Motorrevisionen oder schicken Euch die Ersatzteile und lassen auch die Überarbeitung der Teile für Euch erledigen, bei Firmen die hervorragende Arbeit leisten.

Wenn Ihr noch Fragen habt, meldet Euch, ich helfe gerne weiter! Die Preise der Teile und Arbeiten entnehmt bitte der Preisliste.

Viele Grüße
Klaus

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