Vermessung eines FZR 1000 3GM Zylinders
FZR Zylinder messen
Moin FZR Gemeinde,
Da ich wegen einer eventuellen Projektaufgabe ein paar Teile zu verkaufen hätte, habe ich mich mal ran gemacht um die Teile auf Vordermann zu bringen. Aus Langeweile und Spaß habe ich mir die Zylinderbank meines alten Motors mit zur Arbeit genommen, um ihn dort auf einer Hochpräzisions-Meßmaschine zu vermessen.
Als Hintergrundwissen:
Es handelt sich dabei um eine Zylinderbank aus einer FZR 1000 3LE Bj. '89 LL 50-60000 Km.
Das Ergebnis was dabei herauskam ist sehr verblüffend angesichts der Laufleistung.
Ich werde in diesem Thread den ganzen Ablauf stichpunktartig erläutern (mit Bildern) und am Schluß gibt es noch ein Fazit.
So, nun zum Wesentlichen:
Als erstes habe ich die Zylinderbank in die Meßmaschine gespannt. Dabei muss alles sehr sauber, sprich möglichst schmutzfrei und temperaturneutral sein. Deswegen lag die Bank erstmal einen halben Tag im Prüfraum. 
Dann habe ich die Maschine eingemessen und programmiert:
Man braucht mehrere Meßpunkte als Bezugsflächen/-punkte, um keinen Crash oder ähnliches zu fahren und eine genaue Messung hin zu bekommen (Planfläche "oben drauf" Bild 1 4 Punkte, Innendurchmesser "Zylinderbohrung" Bild 2 3 Punkte). Die Maschine kann bis 5 Stellen hintern Komma messen. Bei den Zylindern haben mir 3 gereicht. Bei dieser Prüfung habe ich mit einem Industrierubin gemessen. Soll es genauer werden wird mit Laser gemessen. Nach dem Einmessen habe ich programmiert, daß die Maschine von 4 Durchmessern (untereinander) einer Bohrung auf dem Prüfprotokoll nach Gauß den Durchmesser als Wert wieder gibt. Die Gaußsche Normalverteilung, also der Durchschnitt. Zusätzlich habe ich die Streuung (den Wert der Differenz von kleinsten bis zum größten Durchmesser) mit angegeben. Das Prüfprotokol kommt zum Schluß (Zylinder 4 ist bei der Messung Nummer 1).
Nachdem alles programmiert war, begann die Messung: Der Rubin fuhr einmal an der Zylinderwandung entlang, senkte sich etwas ab und fuhr erneut die Zylinderwandung ab, das machte er 4 mal in jeden Zylinder.
1) 

4) 
Nach der Messung sah es dann so aus:
Und nun zum Prüfprotokoll, zur Erklärung:
Die Maschine stellt es zur Anschauung übertrieben da, also nicht erschrecken:
Zylinder 4 (Messung Nr. 1) Durchschnitts-Durchmesser: 75,492 mm, kleinster Durchmesser: 75,477 mm, größter Dm. (oval): 75,506 mm 
Zylinder 3 (Messung Nr. 2) Durchschnitts-Durchmesser: 75,501 mm, kleinster Durchmesser: 75,486 mm, größter Dm. (oval): 75,515 mm 
Zylinder 2 (Messung Nr. 3) Durchschnitts-Durchmesser: 75,505 mm, kleinster Durchmesser: 75,492 mm, größter Dm. (oval): 75,516 mm
Zylinder 1 (Messung Nr. 4) Durchschnitts-Durchmesser: 75,498 mm, kleinster Durchmesser: 75,480 mm, größter Dm. (oval): 75,503 mm 
Messprotokoll
Ergebnis:
Nach 60000 km sind die Zylinder immer noch auf dem ersten Maß (Bohrung Standard 75,5 mm).
Die "Ovalität" hält sich in Grenzen mit max. 0,030 mm.
FAZIT:
Angesichts dieser Maße ist klar, das der zum Teils enorme Ölverbrauch der FZR-Motoren nicht von der von manchen lauthals beschriehenen "OVALITÄT" der Zylinder kommt. Denn 0,030 mm im Durchmesser, sprich 0,015 mm pro Seite des Kolbens kann jeder intakte Kolbenring locker abdichten. Sondern von dem bekannten Einfallen der Gußkolben, die sich einfach nicht mehr richtig ausdehnen und der in die Jahre gekommenden Ventilschaftdichtungen. In meinem Fall würde ein Nachhonen (Kreuzmuster) der Zylinder, neue Kolben (Thunderace) + Ringe und neue Schaftdichtungen ausreichen, um meinen Motor auf einen humaneren Ölverbrauch zu bringen. Ein Aufschleifen der Zylinder aufs erste Übermaß ist völlig unnötig.
Des weiteren habe ich noch gemessen ob die Zylinderbank und der Kopf plan ist. War alles O.K.
Ich hoffe es hat euch gefallen und geholfen und Danke an alle die bis hier noch gelesen haben.
Es war jedoch eine reine Privatnummer, ich möchte jetzt bitte nicht von jedem Zweiten angeschrieben werden ob ich seine Zylinder messe.
FZG euer
Thorben (WelleFZR)